Flucht ins Vergessen

Schopenhauer als Vorläufer der Psychoanalyse Freuds

Psychische Krankheiten stellen für Schopenhauer eine Form der Leidensbewältigung dar. Er hat sich bereits um 1810 eingehend mit dem Problem der Gemütskrankheiten beschäftigt. Über mehrere Jahre hinweg hat er das Gespräch mit Patienten der sogenannten „melancholischen Station“ der Berliner Charité gesucht. Aufgrund dieser Kontakte stellte Schopenhauer eine Theorie psychischer Krankheiten auf, in deren Mittelpunkt der Vorgang der Verdrängung steht. Psychische Krankheiten stellen für ihn eine Form der Leidensbewältigung dar, die er als eine Flucht ins Vergessen begreift. Im Zusammenhang mit der Verdrängungstheorie formuliert er bereits eine Konflikttheorie und beschreibt die Mechanismen der Verschiebung und Ersatzbildung sowie die Phänomene der Flucht in die Krankheit und des Widerstands. Schopenhauer hat damit im Blick auf Krankheiten der Psyche Hypothesen entwickelt, die uns bei Freud als Fundament der psychoanalytischen Lehre wiederbegegnen. Auch wenn Freud die Vorläuferschaft Schopenhauers erst spät und nur widerstrebend anerkannt hat, so sind die Parallelen zwischen beiden doch offensichtlich. Ihnen werden wir in dieser Veranstaltung nachspüren.

Termin: Samstag 9. September 2017, 10:30 – 17:00 Uhr
Gebühr: € 35 (Arbeitslose, Schüler, Auszubildende und Studenten zahlen nichts.)
Referent: Prof. Dr. Friedhelm Decher